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Wie steht es um die Milchbauern während der Corona Krise?
Diese Frage wurde gestellt von: Erika aus Buxtehude

Hallo Anita! Ich gehe in die 9. Klasse und habe folgende Aufgabe bekommen: wie steht es um die Milchbauern während der Corona Krise? Ich würde dich das gerne fragen. Mich interessieren aktuelle Probleme, Einschränkungen, vielleicht ein Vergleich zu der Milchbauern-Krise vor paar Jahren und spontane Lösungswege oder Alternativen, sofern ein Problem vorliegt.

Hallo Erika,

vielen Dank für deine Frage! Ja, es sind sicher unruhige Zeiten für uns alle, allerdings muss ich zunächst einmal sagen, dass unser Alltag bisher so weiter geht, wie vorher auch. Wir sind in unseren Arbeiten im Grunde durch die Krise kaum bis gar nicht eingeschränkt. Die einzigen Einschränkungen, die bisher direkt auf dem Betrieb spürbar sind, ist das Tragen eines Mundschutzes, wenn wir zum Landhandel oder Landmaschinenhändler müssen. Zudem finden Beratungen eher telefonisch statt, nur selten kommen Berater noch auf den Hof.

Was wir sicher bald zu spüren bekommen werden, sind sinkende Preise auch für unsere Produkte. So wird wahrscheinlich der Milchpreis sinken, der Preis für Schlachttiere und Mastkälber ist bereits runtergegangen. Wo da die Reise noch hingeht, d.h. wie stark die Preise weiter sinken werden, bleibt abzuwarten. Ein Hauptkriterium ist sicher, wie schnell sich die Weltwirtschaft und die Wirtschaft in Deutschland wieder erholen wird. Im Gegenzug muss man aber auch sagen, dass verschiedene Produkte, die wir beziehen und damit einen Kostenfaktor für uns darstellen, im Preis gesunken sind. Allen voran der Diesel. Gerade im Frühjahr, wo wir für die Feldbestellung größere Mengen davon brauchen, kommt uns das natürlich auch entgegen.

Welche Maßnahmen jetzt die richtigen sind, kann man pauschal nicht sagen, es gibt nicht ‚die‘ ideale Lösung für alle, da die Molkereien und deren Produkte sowie die des Betriebes selbst einfach zu unterschiedlich sind. Es gibt Molkereien, die für eine Begrenzung der angelieferten Milchmenge sind, was im Einzelfall, besonders bei fehlender Lagermöglichkeit der Produkte und eine fehlende Ausweichmöglichkeit auf ‚haltbarere‘ Produktschienen sicher sinnvoll ist. Andere Molkereien bevorzugen eher die Lagerhaltung, z.B. von lange haltbaren Produkten wie Milchpulver. Damit wäre man für den Zeitpunkt einer Erholung der Märkte optimal gewappnet. Auch vor 5 Jahren in der letzten Milchpreiskrise mussten kurzfristig neue Märkte erschlossen werden, was natürlich immer etwas Zeit braucht. Wir hoffen alle, dass die Krise nicht allzu lange anhalten wird, sodass die Märkte gar nicht erst so extrem abrutschen könne, wie manche befürchten.

LG, Anita

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